Don’t Shave – Don’t Care

Bärtiger Bursche im No-Shave-November © 2016 Couleur/pixabay.com

Täglich rasieren? Wöchentlich? Oder nie? Aus Prinzip? Aus reiner Bequemlichkeit? Aus Stilgründen? Oder: weil man damit etwas sagen möchte!

Pünktlich am ersten November ließen viele Männer ihre Rasierer im Schrank und spamten einen Monat lang sämtliche Sozialen Netzwerke mit bärtigen Beweisbildern.

No-Shave-November nennt sich das und ist eigentlich dafür da, auf Prostatakrebs aufmerksam zu machen und das Geld, welches sonst für Enthaarungsartikel anfällt, zu spenden. Dass dies allerdings viele der Teilnehmer nicht tun, sondern einen Trend im Stil der Ice-Bucket-Challenge daraus machen, interessiert die wenigsten.

Der No-Shave-November wird also hauptsächlich von Männern wahrgenommen, aber warum keine Teilnehmerinnen? Jedes Jahr im Oktober – dem Monat, welcher dem Brustkrebs gewidmet ist – sind schließlich auch zuhauf Männer mit pinken Schleifen an der Brust oder im rosa Tutu marathonlaufend zu sehen. Warum also keine Frauen, die sich mit stoppeligen Beinen und Achselhaar für die gute Sache einsetzen?

Die Antwort ist simpel: Die Frau des 21. Jahrhunderts hat keine Körperbehaarung. In der Werbung werden glatte Achseln rasiert und nicht vorhandene Haare vom Bein gewachst. Und wir Frauen kaufen uns das Zeug dann auch noch. Einfach so. Aus Spaß an der Freude.

Und wenn irgendeine dann mal doch ein paar Haare stehen gelassen hat, gilt sie nicht nur bei vielen Männern, sondern auch bei einigen Frauen als ungepflegt. Denn das Ziel ist es, sämtliche Haare abwärts der Augenbrauen zu verleugnen. Frauen, die sich trotz aller gesellschaftlichen Konventionen, für die Teilnahme am No-Shave-November oder schlicht ganzjährig gegen glatte Haut entscheiden, müssen mit schiefen Blicken und Geflüster hinter vorgehaltener Hand rechnen.

Einige äußern ihren Unmut darüber sogar ganz ungeniert im Internet, wie Twitter-User ChampThaGreat: „no shave november is for men. women you better not think this is co celebration you better shave that pussy.“

Manche mögen ihren Haarwuchs, andere nicht.

Da fragt man sich doch, warum etwas so Natürliches wie Körperbehaarung als eklig, schmutzig und ungepflegt verschrien ist. Männer haben ebenfalls Haare, meistens sogar ganze Urwälder unter den Achseln, und das scheint keinen zu interessieren. Aber wehe, die Maike hat Haare auf den Beinen. Dann heißt´s igittigitt.

Manche mögen ihren Haarwuchs, andere nicht. Nur verpflichtet, keinen zu haben ist niemand. Das scheinen ein paar Leute noch lernen zu müssen.

Bei all den haarigen Details sollte das eigentliche Ziel des No-Shave-Novembers nicht aus den Augen verloren werden: sich der Gefahr des Prostatakrebses bewusst zu sein. Nicht nur als Mann, sondern auch als Frau. Immerhin hat jeder von uns jemanden mit einer Prostata, der uns wichtig ist.

Und an alle, die sich spätestens jetzt überlegen, nächsten November mal die Wachsstreifen, Enthaarungscremes und Rasierklingen im Drogeriemarkt zu lassen, um das Geld an einen guten Zweck zu spenden: Traut euch. Im Dezember kann dann ordentlich gerodet werden! Und wem es gefällt, der kann ja mit Don’t-Care-December weitermachen.

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