A. S. Bottlinger: Der Fluch des Wüstenfeuers (2016)

A. S. Bottlinger: Der Fluch des Wüstenfeuers – © 2016 Claus R. Kullak

Secham den Tyrannen, nennen sie ihn heutzutage. Aber ich und einige andere Leute, wir fragen uns, ob die Geschichte ihm nicht ein wenig Unrecht getan hat.“ Eine Rezension zu „Der Fluch des Wüstenfeuers“.

Die Bedeutung der Vergangenheit liegt immer im Auge des Betrachters. Wie können wir wissen, wie sich die Ereignisse tatsächlich zugetragen haben, ob der Ruf einer Person berechtigt ist? Wie schmal der Grat zwischen Held und Tyrann ist, zwischen Richtig und Falsch zeigt die Heilbronner Autorin Andrea Bottlinger. Ihr in diesem Jahr im Klett-Cotta-Verlag veröffentlichter Roman „Der Fluch des Wüstenfeuers“ handelt davon, wie leicht sich die Sicht auf die Geschichte ändert, wenn man nur über genügend Macht verfügt.

Inhalt von „Der Fluch des Wüstenfeuers“

Der Wunsch, die – ihrer Meinung nach – wahren Begebenheiten der Vergangenheit aufzudecken, treibt eine junge, namenlose Geschichtsschreiberin in die Wüste. Bei einem Nomadenvolk möchte sie, einen bedeutenden Zeitzeugen vergangener Geschehnisse befragen: Ahat, den Sohn des gestürzten Herrschers Secham, welcher heute als ein Tyrann gilt. Vom ihm erhofft sie sich, Hinweise zu erhalten, welche den Tyrannen reinwachen könnten.

Tatsächlich erklärt sich der mittlerweile stark gealterte legendäre Kämpfer bereit, der wissbegierigen Geschichtsschreiberin seine Version der Ereignisse zu erzählen. Ahat berichtet von seinem grausamen Vater, welcher ihn nach einem missglückten Attentat in den Kerker sperren ließ. Seine Erzählung spricht von einer machtvollen magischen Waffe, dem Feuer der Wüste, von Dischnnen und Siegelzaubern. Doch hauptsächlich ist es die Geschichte von Iaret, dem jungen Mädchen, welches den Tyrannen besiegte.

Von Secham in den Kerker verbannt, da sie nicht nur im hohen Maße mit dem Feuer der Wüste begabt ist, sondern sich auch dem Tyrannen wiedersetzt hat, begegnet Iaret den Königssohn Ahat. Dieser und die Diebin Tehu werden zu Beschützer und Helfer des Mädchens, welches die Flucht aus dem Kerker plant. Doch die Zeit eilt, denn Iaret hat nicht mehr lange zu leben …

Atmosphäre und Stil in „Der Flucht des Wüstenfeuers“

In „Der Fluch des Wüstenfeuers“ tauchen wir in eine wüstenartige, magiedurchdrungene Welt ein, in welcher uns die Autorin so präzise wie eindringlich vermittelt, wie das Joch der Tyrannei die Figuren quält. Der größte Teil des Romans erzählt von der Gefangenschaft der Protagonisten in einem brutalen, düsteren Verlies – und von ihren Fluchtversuchen. Andrea Bottlinger zeigt dem Leser eine Welt, in welcher eine unumschränkte Macht herrscht, Frauen unterdrückt werden, die Korruption regiert und Verbrechen nicht nur dem Abschaum der Straße aufgezwungen werden. Den Anhänger einer spannungsreichen Handlung wird freuen, dass dementsprechend auch Kampfszenen nicht zu kurz kommen.

Am Anfang des Buches ist dessen Ausgang – der Sturz der Tyrannei – bereits bekannt. So wird der Weg geschildert, wie es zu diesem Umsturz kam. Dies macht den Roman jedoch nicht weniger spannend. Im Gegenteil: Zu wissen, worauf die Schilderungen hinführen, ohne die genauen Mittel zur Erringung des Zieles zu kennen, macht die Geschichte sehr interessant.

Stilistisch liest sich „Der Fluch des Wüstenfeuers“ leicht und unkompliziert, wobei Charaktere einfühlsam beschrieben und mit einer – meist – tragischen Hintergrundgeschichte versehen sind, welche ihren Handlungen Glaubwürdigkeit verschafft. Im Laufe des Geschehens gewinnt man sowohl Sympathie als auch Abneigung gegen die verschiedenen Figuren.

Andrea Bottlinger erzählt aus der Sicht verschiedener Charaktere, welche sie authentisch darstellt. So hat der Leser die Möglichkeit, sowohl die Sicht Ahats als auch Iarets kennenzulernen – wobei beide Figuren eine ähnliche Persönlichkeit entwickelt und sympathisierende Ziele aufzuweisen haben. Beide Protagonisten sind willensstark und von kämpferischen Wesen. Sie hassen und verachten den Herrscher Secham, beide aus ähnlichen Gründen.

Kritik zu „Der Fluch des Wüstenfeuers“

Was manche Leser ein wenig schade finden könnten, sind die Übergänge zwischen dem Handlungsstrang von Ahat zu Iaret. Bottlinger leitet hier nämlich häufig im beinahe gleichen Wortlaut über, was Leser, welche Abwechslung gerne sehen, stören könnte. „Später erzählte mir Iaret …“ ist deshalb ein Satz, den man in kaum abgewandelten Versionen oft zu lesen bekommt. Dies mindert jedoch die Qualität der Geschichte selbst in keiner Weise.

Nach einiger Erfahrung als Autorin für Fantasy-Reihen-Klassiker wie „Perry Rhodan Neo“, „Macabros“ und „Larry Brent“ sowie dem humorvollem Ratgeber „Geek Pray Love“, den sie gemeinsam mit Christian Humberg veröffentlichte, hat sich Andrea Bottlinger auch in ihrem ersten Roman unter eigenem Namen bewiesen. Ihr gelang es, eine fesselnde Geschichte über Unterdrückung und Ungerechtigkeit zu verfassen, über den Kampf um die Verwirklichung der eigenen Persönlichkeit.

„Der Fluch des Wüstenfeuers“ empfiehlt sich für High Fantasy-Fans ab 16 aufwärts, welche in dem Roman genau die richtige Lektüre – und auch noch den einen oder anderen Denkanstoß – finden werden.

Verwendetes Bild: © 2016 Claus R. Kullak unter Verwendung von Elementen aus Bildern von Stones, gholem sowie parvel | pixabay.com.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.