Die Wahrheit über Hollywood

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Millionen Menschen träumen täglich von einem besseren Leben in Hollywood. Dies zumindest wird einem versprochen. Perfekte, gut aussehende Menschen überall. Der Traum von dem Ruhm und den Millionen ist groß. Das große Glück. Der amerikanische Traum. Doch ist das alles die Realität?

Meine Hände zittern. Nur noch wenige Minuten bis zum Flug. Gleich werde ich einsteigen und über 13 Stunden fliegen. Nicht mehr lange und dann werde ich zum ersten Mal in Los Angeles sein. In Hollywood. Der Traum vielen Menschen. Endlich wird meine Flugnummer durch die Sprechanlagen durchgegeben. Jetzt ist es soweit. Ich nehme mein Handgepäck in die Hand und gehe mit großen Schritten in das Flugzeug. Es ist größer als die anderen, da es für Langstrecken gemacht wurde. Noch nie zuvor bin ich so weit geflogen.

Ich setze mich auf meinen Platz und warte auf den Start. Nur noch wenige Minuten und dann werde ich Deutschland verlassen. Das Flugzeug setzt sich langsam in Bewegung. Jetzt ist es soweit. Los Angeles, ich komme! Nachdem wir weit oben in der Luft sind, nehme ich mir vor, Schlaftabletten zu nehmen, damit die Reise für mich angenehmer wird.

Kaum ist die Flughöhe erreicht, setzen sich auch schon die typisch amerikanischen Stewardessen in Bewegung. Bei der freundlichen Dame bestelle ich mir ein Glas Wasser, damit ich so schnell wie möglich die Tabletten schlucken kann. Kurze Zeit später nehme ich die Pillen und versuche, mich ein wenig zu entspannen. Währenddessen nutze ich die Gelegenheit und schaue mir einen Film an, um schneller einzuschlafen. Stunden vergehen und nichts geschieht. Ich bin hellwach und kann nicht schlafen. Ich schaue mich um und bemerke, dass jeder um mich herum eingenickt ist. Nur ich nicht. Viele weitere Stunden der Verzweiflung vergehen. Noch immer kann ich nicht einschlafen und die Kälte im Flugzeug macht mich wahnsinnig.

Während des langen Fluges versuche ich mich abzulenken, höre Musik und lese. Diese Methode hat anscheinend am Besten funktioniert, denn in wenigen Minuten werden wir in LA landen. Ich habe kaum gemerkt, wie die Zeit vergangen ist und fange an, vor Aufregung zu zittern. Die Stewardess gibt ein Kommando und bittet alle Passagiere ihre Gurte anzulegen. Kurze Zeit später gibt der Pilot das Zeichen: Willkommen in Los Angeles!

Nachdem ich aus dem Flugzeug ausgestiegen bin und meine Koffer abgeholt habe, betrete ich zum ersten Mal amerikanischen Boden. Die Türen öffnen sich und ich werde sofort von der Hitze erschlagen. Der Unterscheid zu unserem gemäßigten deutschen Klima ist doch sehr beträchtlich…

Ich bin da! Ich trete langsam hinaus und schaue mich am LAX Airport um. Alles sieht anders aus. Die Straßen, die Bäume, die Menschen. Alles wirkt alt und heruntergekommen. Selbst die Gerüche sind anders als in Deutschland. Die Luft ist ziemlich trüb und stickig. So hatte ich es mir nicht vorgestellt. Wo zur Hölle bin ich? Im Fernsehen sah es immer anders aus. Ich steige in ein Taxi und fahre in mein Hotel, das sich genau in Hollywood West befindet.

Auf der Fahrt schaue ich neugierig aus dem Fenster. Die Stadt wirkt ziemlich abgenutzt und veraltet. Immer wieder fallen mir die Obdachlosen ins Auge, die es scheinbar an jeder Ecke gibt. Ich hätte nie gedacht, dass man überall auf sie trifft. In meinem Hotel angekommen, checke ich schnell ein und ruhe mich ein wenig von dem Flug aus.

Das wahre Hollywood ist anders

Da meine Reise sich nur auf 15 Tage beschränkt, beschließe ich, noch am selben Abend einen Freund zu treffen und auszugehen. Mein erster Stopp ist in Beverly Hills, der Rodeo Drive, an dem schon Filme wie Pretty Woman gedreht wurden. Dieser Ort ist ziemlich bekannt für die edlen Boutiquen wie Prada, Louis Vuitton und Co.

Ich kann meinen Augen kaum glauben, denn dieser Ort sieht ganz anders aus, als der Rest, den ich bereits gesehen habe. Selbst die Straßen in dieser Gegend sind anders. Überall reiche Menschen mit Designerklamotten. Genau hier bin ich richtig. Das habe ich von Los Angeles erwartet. Viele arabische und chinesische Frauen laufen mit ihren überteuerten Taschen herum und gehen von einer Boutique in die Nächste. Alles wie im Fernsehen. Beverly Hills ist wie eine kleine Stadt für sich.

Doch bei genauerem Betrachten stelle ich fest, dass es selbst hier obdachlose Menschen gibt. Die Rede ist nicht von ein oder zweien, sondern an jeder Ecke! Da es früh morgens und spät abends in Los Angeles ziemlich kalt werden kann, tragen die Obdachlosen viele dicke Jacken übereinander, damit die Nacht für sie angenehmer wird. Mein amerikanischer Freund berichtet mir, dass die Obdachlosen teilweise hier leben und immer auf den Parkbänken vor den teuren Boutiquen schlafen.

Was mich ziemlich erstaunt ist, dass die Obdachlosen einen komplett ignorieren und nicht einmal beachten. In Deutschland ist es oft der Fall, dass man von ihnen angesprochen wird. Hier liegen sie ruhig in ihren Ecken und halten Abstand zu den Passanten.

Am folgenden Tag fahre ich gemeinsam mit meiner Familie zum berühmten Venice Beach, an dem unzählige Touristen aus aller Welt sind. Ob Chinesen, Russen oder Deutsche, alle sind sie hier. Wieder muss ich feststellen, dass es im Fernsehen anders aussieht.

Venice Beach wirkt ebenfalls ziemlich alt und abgenutzt. Auch das Wetter ist in dieser Gegend anders als im Vergleich zu der Innenstadt. Es ist deutlich kühler und bewölkt. So habe ich mir das nicht vorgestellt. Viele Menschen um mich herum tragen Jäckchen, da es zudem windig es.

Die Berühmtheit der Venice Beach-Promenade sind die allgegenwärtigen Souvenir-Stände und die zahlreichen jungen Leute, die mit Inline-Skates oder Fahrräder unterwegs sind. An jeder zweiten Ecke stehen junge Amerikaner, die eine kleine Show vorführen. Umzingelt von vielen Touristen, sorgen sie tagtäglich für viel Gelächter und Staunen.

Zu meiner Überraschung finden sich auch hier wieder unzählige Obdachlose. Mitten auf der Promenade, an dem die Touristen und Einheimischen einkaufen, liegen sie auf den Straßen und schlafen. Die talentierten unter ihnen beeindruckten mit außergewöhnlichen Kunstwerken und verdienten sich damit ein paar Dollar dazu.

Was mich ziemlich wundert, ist, dass es sie nicht interessiert, dass sie mitten im Geschehen sind und hunderte Augen sie beobachteten. Total desinteressiert liegen sie herum und kümmern sich nicht um die anderen Passanten.

Nach einer kleinen Shoppingtour gehen wir zum Stand, um uns ein wenig auszuruhen. Selbst dort, im weichen, heißen Körnerfeld liegen zahlreiche Obdachlose, eingehüllt in Decken, und schliefen. Ich habe mir sagen lassen, dass man lieber Abstand zu ihnen halten solle, da sie sehr besorgt um ihre Habseligkeiten seien und daher schnell aggressiv werden können.

Mich wundert ständig, wieso sie ausgerechnet an derart lebendigen Orten sein mussten, an dem überall Touristen sind und sie nie ihre Ruhe haben können. Außerdem verstehe ich nicht, wieso es an diesen berühmten Orten so alt und heruntergekommen aussieht. Obwohl dies einer der wichtigsten Orte in Los Angeles ist, wirkt Venice Beach mitgenommen und glamourös. Sollte es nicht gerade hier sauber, prachtvoll sein?

Ein paar Straßen hinter Hollywood beginnen die Ghettos

Am selben Abend beschließen wir spontan noch nach Hollywood zu fahren, um den berühmten Walk of Fame zu sehen. Auf der Fahrt dorthin bemerke ich, wie unterschiedlich die Gegenden in LA waren. Die Stadt an sich wirkt ziemlich lebendig und heruntergekommen, doch an berühmten Orten, die man täglich im Fernsehen sieht, sind überall Straßenbeleuchtungen, neuere Straßen und viele verschiedene Läden, die man auch aus Deutschland kennt. Und was sich außen herum befindet, spielt keine Rolle.

Ziemlich enttäuscht bin ich, als ich sehe, was sich außerhalb von Hollywood befindet. Nur bis zu einer bestimmten Gegend ist es wunderschön, danach befindet man sich in einem Ghetto. Auch hier fällt mir dieser starke Kontrast auf.

Aufgeregt steige ich aus dem Auto und kann es kaum erwarten, den Walk of Fame zu sehen. Viele Touristen laufen mir bereits entgegen, die offenbar deutlich Freude haben. Angekommen, werde ich gleich überhäuft mit Eindrücken. Überall Menschen und helle Lichter. Überall Läden und Stände. Und das Beste am Walk of Fame ist natürlich der berühmte Sterneboden, auf dem sich Hunderte von Prominenten und Ikonen verewigt haben. Ich habe das Gefühl, dass die ganze Welt an diesem Ort versammelt ist.

Ständig bemerke ich Dinge, die ich im Fernsehen gesehen habe. Es ist einfach unbeschreiblich. Es ist Sonntag und deshalb ist der Platz ziemlich belebt. Überall sieht man Menschen mit Kameras, die diesen Moment festhalten wollen. Auch viele Doubles sind vor Ort, mit denen die Touristen Bilder machen können. Als ich mich dazu entscheide, ein Foto mit Michael Jackson zu machen, erklärt mir dieser mir von vorne rein, wie viel Dollar er verlangen wird. Ich bin ziemlich erstaunt, da ich zuvor nicht gewusst habe, dass sie Geld dafür verlangen werden.

Dort stelle ich zum ersten Mal fest, wie hart das wirkliche Leben eigentlich in Los Angeles ist. Die Menschen stehen den ganzen Tag verkleidet mit einem aufgesetzten Lächeln herum, um wenige Dollar zu verdienen. Die meisten der Michael Jacksons oder Marylin Monroes sind operiert, um ihren Vorbildern noch ähnlicher zu sehen.

An dem mit Abstand berühmtesten Ort der Welt liegen wieder Obdachlose herum. Mitten auf dem Walk of Fame schlafen sie auf dem Boden, ohne Angst, übertreten zu werden. Es ist ein Anblick, der mich zutiefst erstaunt und zum Nachdenken anregt.

Als ich nach LA kam, erwartete ich, die Bilder zu sehen, welche in den neuesten Hollywood-Blockbustern gezeigt werde oder auf Fotos in sämtlichen Klatschmagazinen abgebildet sind. Ich reiste an, um blitzende Einkaufspassagen zu sehen, auf denen attraktive Passanten entlang schlendern, am Traumstrand von Venice Beach vom Leben der Stars zu träumen.

Was ich jedoch fand war etwas ganz Anderes.

An einem Ort an dem Menschen aus aller Welt träumen, an dem Menschen aus aller Welt leben, sind in Wirklichkeit viele Obdachlose, die darauf hoffen, aus ihrem Elend befreit zu werden. Das war nun die bittere Wahrheit über Hollywood. Beim ersten Blick, kann man seinen Augen nicht trauen und ist total geblendet vom Glanz und Schein. Doch bei genauerem Hinsehen, stellt man fest, dass es in Wirklichkeit anders aussieht.

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