Der Tod ist nicht nur schwarz

Horst Kloeters - 30. August - (c) 2009 Daniel Schumann / daniel-schumann.com

Am Ende bleiben die eigenen Gedanken

ICH BIN: Hatte jeder Mensch am Ende des Lebens eine ganz persönliche Haltung zu Leben und Tod, Freunde und Reue hat?

Daniel Schumann: Würde ich ganz klar sagen, ja. Also ich hatte jedes Mal das Gefühl, dass sich die eigene Idee vom Leben auch im Streben widerspiegelt. Also Menschen die selbstbewusst waren, konnten auch besser mit dem Tod umgehen, als Menschen, die ihr Leben lang abhängig waren von anderen Personen. Die einen hatten solch qualvolle Schmerzen, und letztendlich konnten sie doch ruhig streben, während andere erst einen Pfleger brauchten, der ihnen gesagt hat: „Du kannst gehen, es ist so weit, lass los.“ Das waren Menschen, die niemals von alleine die Entscheidung getroffen hätten, dass es gut ist, zu sterben.

ICH BIN: Worüber haben sich die Menschen in den letzten Tagen Gedanken gemacht?

Daniel Schumann: Manche haben sich nicht sehr geöffnet mir gegenüber, andere haben es. Ihre Gedanken gingen in ganz unterschiedliche Richtungen, wie eben auch das Leben unterschiedlich ist. Manche haben dann Engel gesehen, die sie in den Himmel holen würden. Andere haben ganz klar für sich gesagt: „Ich hatte ein gutes Leben, es ist Zeit abzugehen.“ Die Akzeptanz war natürlich auch noch ein großes Thema: Der Tod wurde teilweise schon herbeigewünscht.

ICH BIN: Hat die Arbeit mit den Verstorbenen auch deine eigene Sicht auf den Tod beeinflusst?

Daniel Schumann: Das hat sie auf jeden Fall. Vor meinem Zivildienst hatte ich noch keine Idee, was der Tod für mich auch bedeuten könnte. Durch die ganz unterschiedlichen Begegnungen haben sich mir neue Perspektiven eröffnet. Ich kann jetzt nicht sagen, was genau der Tod für mich heißt oder auch was danach kommt, aber genau das würde ich als positiv bezeichnen. Ich glaube, da muss jeder für sich einen Weg finden, mit dem Gedanken umzugehen.

ICH BIN: Es gibt Menschen, die sehr große Dinge unternehmen, um sich einen Namen in der Welt zu schaffen, der noch über den Tod hinaus wirkt. Manche schreiben Briefen an Hinterbliebene, jetzt soll es sogar einen Dienst geben, der Tote weiter twittern lässt! Was hältst du von der Idee, sich so unsterblich zu machen?

Daniel Schumann: Ich glaube, es liegt in der Natur des Menschen, das Bedürfnis zu haben, in Erinnerung zu bleiben, nicht spurlos zu verschwinden, und dass einen mindestens die Angehörigen in Erinnerung behalten. Dadurch bekommt man eine gewisse Wertschätzung. Von dieser Sache mit Twitter hatte ich bis jetzt noch nicht gehört, und das geht in eine sehr absurde Richtung, auf Anhieb ergibt das für mich jetzt keinen Sinn.

ICH BIN: Es gibt noch die andere Seite, und zwar dass Angehörige Seiten auf Online-Friedöfen erstellen oder YouTube-Videos hochladen. Was denkst du sind deren Motivationen?

Daniel Schumann: Der „Ort“ Friedhof, beziehungsweise der Ort, der eine Gedenkstätte ist, um sich an einen geliebten Menschen zu erinnern, kann durchaus auch Online sein. Man schafft sich eine Stelle, an der man sich erinnert. Für mich jedoch ist die Erinnerung an einen Menschen eigentlich noch viel wichtiger, als ein Grab zu haben.

Weitere Informationen:
http://daniel-schumann.com/

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Porträts von Horst Kloeters – 30. August (oben) und Horst Kloeters – 25. August (unten) mit freundlicher Genemigung von Daniel Schumann © 2009 Daniel Schumann