Liebesfilm

Liebesfilm

Liebesfilme sind für viele etwas Schönes und Romantisches, für andere sind sie schrecklich langweilig und kitschig, für die einen ein bezauberndes Erlebnis, für die anderen der pure Horror. Aber warum spalten sich die Meinungen über dieses seichte Genre so stark?

Sie kam in den dunklen Raum, der nur von ein paar Kerzen neben dem Bett beleuchtet wurde. Als sie einige Schritte hinein ging, bemerkte sie das leise Rascheln unter ihren Schuhen. Der komplette Fußboden war mit Rosenblättern ausgelegt, die einen süßen, frischen Duft verströmten. Als sie an dem Kreis aus Teelichtern ankam, sah sie in großen, schwarzen Buchstaben auf einem schneeweißen Blatt geschrieben: „Heirate mich“, und auf dem rechten unteren Eck des Blattes lag eine kleine, mit rotem Samt überzogene Schatulle …

45 Prozent der deutschen Frauen finden Worte wie diese zum Dahinschmelzen. Der häufigste Grund, wieso sich Frauen Liebesfilme ansehen, ist somit wohl, dass man dabei all die eigenen Probleme und Sorgen vergessen kann, während man sich in eine neue Welt einfühlt, mitfiebert und mitheult, wenn sich die Charaktere auf der Leinwand verlieben und lieben. Auch ein gut aussehender Hauptdarsteller ist natürlich sehr wichtig in einem Liebesfilm. Schon zu der Zeit, als „Vom Winde verweht“ (USA, 1939) in die Kinos kam und zehn Oscars erhielt, schmachteten reihenweise Frauen den verwegenen Südstaatler Rhett Butler, gespielt von Clark Gable, an. Das wiederum ist in manchen Fällen aber genau der Grund, weshalb dieses Genre bei den Männern eher nicht so beliebt ist, denn wer will schon zusehen, wie seine Freundin einen anderen Mann anschmachtet? Und das, wo man selbst noch nicht einmal ansatzweise so aussieht wie Ryan Gosling („Blue Valentine“, USA, 2010), Channing Tatum („Step up“, USA, 2006) oder Robert Pattinson („Wasser für die Elefanten“, USA, 2011)!


ICH BIN das Valentinstags-Special 2015:

Dieser Artikel ist Teil des Valentinstags-Specials 2015:

Das Bild des Pärchens auf der Mole stammt von Dirk Schelpe – © Dirk Schelpe / PIXELIO


Männer und Frauen werden von Liebesfilmen allerdings noch mehr zum Wegzappen verleitet, weil sie für gewöhnlich leider nicht genug Spannung aufbauen: In den allermeisten Filmen weiß der Zuschauer von vorneherein, welcher Charakter später mit wem zusammenkommen wird, und fast immer in diesem Genre ist von Anfang an klar, dass es zum Happy End kommen wird, welches zudem oft sehr kitschig ausfällt. Jedes noch so große Hindernis für die Liebe lässt sich überwinden. Dabei sind die Lösungen größtenteils nicht besonders realitätsnah.

Es mag verwunderlich erscheinen, doch 29 Prozent der deutschen Männer geben zu, gerne mal einen Liebesfilm anzuschauen. An dem Klischee, dass dies meistens passiert, wenn sich Paare etwas zusammen ansehen und die Frau bei der Auswahl des Films gewinnt, ist vielleicht etwas dran. Aber es gibt für Männer schließlich auch weibliche Besetzungen, die sehr hübsch anzusehen sind. Manches Hollywood- Studio garniert das noch mit der Vorstellung von unverbindlichem Sex, wie in „Freunde mit gewissen Vorzügen“ oder „Freundschaft plus“ (beide USA, 2011) – und schon wird der Mann zum Liebesfilmfan. Ansonsten sind Liebesfilme vor allem ein Vergnügen für Pärchen oder solche, die es werden wollen. Der Mann kann seine Romantikkompetenz zeigen – Stichworte: Rosenblätter, Ring – und hoffentlich schwappt ein bisschen von der Romantik auf nach dem Film über. Wenn der Film dann auch noch eine Liebeskomödie ist wie „Meine erfundene Frau“ (USA, 2011) mit Adam Sandler, ist die Mischung perfekt, schließlich lachen Frauen gerne, bevor sie küssen.

Man sollte Liebesfilme also nicht so ernst nehmen, wie es das Publikum des ersten dokumentierten Liebesfilms „Der Kuss“ tat, der 1896 in den USA gedreht wurde. In ihm sieht man, wie sich ein Liebespaar küsst und umarmt. Das allerdings war für die damalige Zeit noch zu viel und löste damit einen regelrechten Skandal aus, auch wenn der gesamte Film nur eine Minute lang ist. Große Aufreger und Dramen braucht der Liebesfilm letztlich möglicherweise gar nicht. Romantik und Happy End tun es auch. Man will ja vor allem Spaß haben und entspannen, wenn man sich abends gemeinsam auf dem gemütlichen Sofa einen Liebesfilm ansieht.

Dieser Artikel stammt aus der ICH BIN-Ausgabe 04/2012:

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